Archiv der Kategorie: Allgemein

Bergische Humanisten neu aufgestellt

Die Gemeinschaft des Humanistischen Verbandes NRW K.d.ö.R. in Wuppertal hat am 13. Juni ihre Mitgliederversammlung durchgeführt und dabei einen neuen Vorstand gewählt.

Der langjährige Vorsitzende Jürgen Köster blickte einleitend auf die Entwicklung der Gemeinschaft zurück. Dabei stand die steigende Nachfrage nach weltlichen Lebensfeiern im Vordergrund. Diese werden von den ausgebildeten HVD-Feiersprecher/innen der Gemeinschaft gestaltet.

Die Wahl von Henrike Lerch als neue Vorsitzende und die weitgehende Umbesetzung der bisherigen Vorstandsfunktionen markieren in gewisser Weise einen Neustart des Humanistischen Verbandes in Wuppertal. Die neue Vorsitzende dankte Jürgen Köster für seine langjährige Tätigkeit als Vorsitzender der Gemeinschaft, für die er weiterhin als Schatzmeister tätig sein wird.

Die Versammlung wählte als Stellvertretende Vorsitzende Susanne Moschiri-Bischoff (Jugendfeier) sowie Hans-Peter Schulz (bisher Schatzmeister, nun Öffentlichkeitsarbeit). Außerdem wurde der Vorstand mit vier Beisitzer/innen erweitert, die bestimmte Schwerpunkt-Aufgaben übernehmen: Feierkultur, Engels-Jubiläum u.a.

Für die kommenden Monate sind verschiedene Aktivitäten in Planung: Das Thema „Ethik-Unterricht an Grundschulen“ soll mit einer öffentlichen Veranstaltung aufgegriffen werden. Zum Engelsjubiläum könnte der HVD Wuppertal die Ausrichtung einer Podiumsdiskussion übernehmen. Die Reihe „Humanisten lesen!“ will sich der Frage zuwenden: „War Engels ein Humanist?“ und auch die „historische Perspektive der freidenkerischen Bewegung“ aufgreifen. Außerdem werden für den Herbst wieder die „Humanistische Gedenkfeier“ und die Winter-Feier vorbereitet. Zum Jahresbeginn startet die neue Jugendfeier-„Saison“.

Fotos: hp.schulz

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Kennen Sie Denis Diderot?

Vor fünf Jahren wurde der 300. Geburtstag dieses geistigen Genies gefeiert. Heute ist er – völlig zu Unrecht – in Deutschland wieder fast vergessen.

Diderot war Herausgeber und „Projektmanager“ für das größte und kühnste Projekt der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts, der „Enzyklopädie“. Damit wurde erstmalig das gesamte Wissen der damaligen Zeit von den besten Fachleuten zusammen getragen.

Nach 20 Jahren Laufzeit wurde dieses Werk über 70.000 Artikeln und 11 Bildbänden fertig gestellt. Zu Recht wurde dieses Werk als publizistischer und weltanschaulicher Angriff auf die feudale Gesellschaftsordnung und deren und klerikale Helfer gesehen.

Die Missachtung der damaligen Denkverbote brachten Diderot Zensur, Verhaftung, Verbote, Razzien und kirchlichen Bannflüche ein. Dem Scharfsinn und auch der Ironie des Verfassers konnte man damit allerdings nicht beikommen.

Diesem großen Denker widmet sich Humanisten Lesen! am Do., 21. Juni, um 19 Uhr im Atelier, Hofaue, W-Elberfeld. Es stehen zwei kurze Artikel aus der Enzyklopädie zur Diskussion: „Glaube“ aus Band IV und „Aufgeklärt und klarblickend“ aus Band V der Enzyklopädie.

Die Leitung liegt bei Henrike Lerch. Die Texte schicken wir auf Anfrage gern zu.

HVD-Wuppertal@gmx.de

Gelungene Jugendfeier 2018 in Wuppertal

Fast zwei Stunden Programm bot genug Zeit für verschiedene Perspektiven auf Tradition und Gegenwart der Jugendfeier. Alle Beteiligten, die Gäste sowie die jugendlichen „Feierlinge“ ließen sich gern von den Sketchen, Musik-Vorträgen und dem selbstgedrehte Film zum Thema „Was ist Jugendfeier“ unterhalten.

Der Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke hielt eine kleine Ansprache. Johannes Schwill, HVD-Vizepräsident, überbrachte die Glückwünsche des Humanistischen Verbandes NRW. Nico Bischoff, ehemaliger Jugendfeier-Teilnehmer gab die Festrede. Durch das Programm führte die Wuppertaler Feiersprecherin Henrike Lerch.

Teilnehmer und Gäste der Veranstaltung fanden sich in den vorgetragenen Themen wieder. Manche hätte rückblickend auch gern in ihrer Jugend an solch einer Feier teilgenommen. Das Programm wurde musikalisch untermalt vom Sänger und Gitarristen Martin Bauer u.a. mit dem Song „Imagine!“ von John Lennon und zum Ende der Veranstaltung mit dem traditionellen Lied „Die Gedanken sind frei“.

Insgesamt wurde viel gelacht und applaudiert. Am Schluss, nach einem Glas Sekt oder Orangensaft, mit der Urkunde, einer Rose und einem Buch in der Hand, mussten die Jugendlichen Umarmungen, Schulterklopfen, Lob und Glückwünschen über sich ergehen lassen. Danach ging es zu den jeweiligen Feiern im privaten und im Freundeskreis.

Die Bergische Jugendfeier wird jährlich vom Humanistische Verband NRW und den Freidenkern Wuppertal e.V. durchgeführt. Alle konfessionsfreien Jugendlichen dürfen teilnehmen.

Info: www.Bergische-Jugendfeier.de

Für ein friedliches und solidarisches Miteinander

Mahn- und Gedenkfeier am 8. Mai 2018

Vor 73 Jahren erzwangen die Alliierten das Kriegsende und das Ende der Regierungsmacht der faschistischen NSDAP in Deutschland. Viele Teilnehmer/innen und unterschiedliche Organisationen fanden zur Veranstaltung am 8. Mai auf dem Friedhof Norrenberg in Wuppertal-Heckinghausen zusammen – so auch der Humanistische Verband.

Unvorstellbares, noch immer nachwirkendes Leid sind die Folgen dieser 12-jährigen Schreckenszeit. Deshalb ist das Datum 8. Mai 1945 das Datum des Tages der Befreiung von Krieg und Faschismus.

Die Gräber der Wuppertaler Bombenopfer, der Kriegsgefangenen und der polnischen und sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem Friedhof Norrenberg sind Zeugnis und ständige Mahnung aus dieser Zeit.

Niemals dürfen wir vergessen, zu welchen Verbrechen Politik fähig sein kann. Nach wie vor sind Mahnung und Wachsamkeit erforderlich gegen neofaschistische und rassistische Umtriebe in dieser Gesellschaft.

Festzustellen ist auch heute

Krieg – auch mit deutscher Beteiligung – und Terror sind immer noch Mittel zur Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Interessen überall in der Welt

Krieg ist eine der Ursachen, dass Menschen aus ihren Heimatländern fliehen, um ihr Leben zu retten

Völker und Kulturen sind von einem friedlichen und gleichberechtigten Miteinander noch weit entfernt

Intoleranter religiöser Fundamentalismus ist einer der Gründe, weswegen Menschen aus ihren Heimatländern fliehen

Die globale Wirtschaftskrise führt zu Protektionismus, nationalstaatlichem Denken und zum Abbau sozialer Errungenschaften und zwingt andere Volkswirtschaften zur sozialen Verarmung

Existenzielle Armut gehört zu den Ursachen, weshalb Menschen aus ihren Heimatländern fliehen

Neonazismus und Rassismus sind in unserem Land in verschiedenen Erscheinungsformen noch gegenwärtig und sogar in unseren Parlamenten vertreten

Neonazis und andere rechtsextreme Gruppierungen hetzen gegen Menschen, die hier Zuflucht suchen und werden immer wieder gegen sie gewalttätig


Der Humanistische Verband Wuppertal / Bergisches Land hatte diese Veranstaltung unterstützt.

Dem Humanismus auf der Spur

Seit September 2017 liest die Gemeinschaft Wuppertal/Bergisches Land ausgewählte Texte von Humanisten. Von den bisher ausschließlich männlichen Autoren wird im Vorfeld ein kleiner Textausschnitt zu Verfügung gestellt, der beim Verständnis der Grundgedanken helfen soll, aber auch davor bewahren soll, Thesen aus dem Begründungs-zusammenhang zu reisen. Der Diskussion wird ein kurzer Überblick zu Leben, Werk und Wirkung vorangestellt und es wird kurz in den Text und seine Aussagen eingeführt. Bei der Auswahl der Texte gibt es weder eine Chronologie noch eine Systematik.

Leitung: Henrike Lerch

Es fallen aber einige Leitbilder auf. Zum einen finden sich vor allem in den Diskussionen immer wieder religionskritische Argumente. Am deutlichsten ist dies natürlich bei Ludwig Feuerbach ausgeprägt, der mit seiner Projektionsthese den religiösen Begründungszusammenhang umdreht: Nicht Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, sondern der Mensch hat in Gott seine eigenen Wesenszüge gelegt. Zum anderen verweisen die Texte auf eine Begründung der menschlichen Freiheit.

Noch in Auseinandersetzung mit und in Abgrenzung von einem christlichen Menschenbild formuliert der frühe Humanist Pico della Mirandola die Begründung der menschlichen Freiheit aus dessen Unergründlichkeit heraus und setzt sie in direkten Zusammenhang mit der Verantwortung des Menschen für seine Handlungen. In klarer Absetzung zu Martin Luther erklärt auch Erasmus von Rotterdam, dass der Mensch einen freien Willen und einen gewissen Handlungsspielraum hat. Auch ein Blick ins 20. Jahrhundert wurde schon gewagt. Hier muss das Menschliche nicht mehr gegen ein christliches sondern gegen ein naturalistisches Menschenbild verteidigt werden.

Bis zum Sommer trifft sich der Lesekreis weiterhin am 3. Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Atelier, Hofaue 51, Wuppertal. Interessierte sind jederzeit auch ohne Anmeldung willkommen. Unsere Themen:

19. April – Camus: Der Mythos des Sisyphos
17. Mai – Marx: Philosophisch-Ökonomische-Manuskripte
21. Juni – Diderot: Philosophische Gedanken
19. Juli – Jaspers: Bedingungen und Möglichkeiten eines neuen Humanismus

Informationen und Texte unter HVD-Wuppertal@gmx.de

Humanisten zum GroKo-Vertrag

Währen der HVD Bayern den neuen Koalitionsvertrag begrüßt , heißt es beim Humanistischen Pressedienst (hpd) nüchtern: „Koalitionsvertrag ohne Konfessionslose„.

In der Mitteilung des hpd (vom 14. Feb.) wird darauf aufmerksam gemacht, dass Begriffe wie „Konfessionslose“, „Nicht-Religiöse“ etc. im GroKo-Vertrag gar nicht auftauchen. Die staatliche Zusammenarbeit mit Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften soll zwar verstärkt werden – aber nur mit Blick auf die Integration der Muslime.

Nichts findet sich im GroKo-Vertrag hingegen zur überfälligen Ablösung der historischen Staatsleistungen. Die Frage des staatlichen Kirchen-Steuereinzugs wird nicht thematisiert oder die alltäglichen Probleme des kirchlichen Arbeitsrechts  angesprochen. Es gibt auch kein Wort zum integrativen Ethik-Unterricht in den Schulen …

Obwohl auch der HVD Bayern sich etwas „Besseres wünschen“ würde, habe man doch „positive Überraschungen“ entdecken können. Immerhin hat der bayrische HVD-Präsident im Koalitionsvertrag ein Versprechen ausgemacht, „den Dialog mit den Weltanschauungsgemeinschaften zu verstärken“.

Bisher war diesbezüglich seitens der Sozial- und der Christ-Demokraten seit Jahren nichts zu bemerken gewesen. So kündigen die regierungswilligen Parteien denn auch an, sie „suchen das Gespräch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften und ermutigen sie zum interreligiösen Dialog, denn das Wissen über Religionen, Kulturen und gemeinsame Werte ist Voraussetzung für ein friedliches Miteinander und gegenseitigen Respekt“.

Wie heißt es noch?
Wer glaubt, wird seelig …

Humanistische Feierkultur

Ein Großteil der gesetzlichen Feiertage sind bekanntlich religiöse Festtage und der Umgang mit diesen Feiertagen ist für nicht religiöse Menschen durchaus unterschiedlich. Ignoranz oder naive Kritik führen aber nicht zu einer selbst bestimmten Feierkultur und der humanistischen Gestaltung von Festtagen. Ein abstrahierender Blick auf rituelle Feiertage gibt Auskunft über Sinn und Funktion von Feiertagen und Ritualen geben und kann zu einem selbst bestimmten Umgang mit Feiertagen führen.

Neben den persönlichen und individuellen Feiertagen gibt es kulturübergreifende Feiertage, die im Verlauf eines Menschenlebens entscheidende Übergänge gestalten und Feiertage, die durch den Jahresrhythmus bestimmt sind. Rituale des Übergangs sind mit humanistischen Namens-, Jugend-, Hochzeits- und Trauerfeier säkularisiert worden und werden erfolgreich individuelle und selbst bestimmt gestaltet.

Anders sieht es bei Feiern im Jahresverlauf aus. Während das Christentum bekanntlich gut darin war, bestehende römische und heidnische Kulte und Feiertage in ihrem Sinn umzudeuten und zu transformieren, stellen sich Winterfeiern und Humanistentag meist als eher zaghafte Ansätze dar, deren Sinn offen bleibt. Ein einfaches Zurück zu vorchristlichen Feiern ist nicht möglich und würde letztlich nur andere Götter huldigen.

Kulturelle und religiöse Riten erfüllen verschiedene Funktionen in einer Gesellschaft. Sie sorgen für Halt und Orientierung in der Welt und wirken Gemeinschaft stiftend. Besonders deutlich wird dies bei den sogenannten Passageriten. Passageriten sind jene Rituale, die das Leben und den Status eines Menschen in der Gesellschaft bestimmen. Mit der Namensfeier wird ein Mensch in die Gesellschaft eingeführt. In traditionellen Gesellschaften bestimmte der Name über Rang und Funktion der Person in der Gesellschaft. Mit der Jugendfeier wird der Übergang eines Kindes zum Erwachsenen mit einer Zeremonie bildlich. Mit der Hochzeitsfeier bildet sich eine neue Form der Verbindung von zwei Menschen. Und mit der Trauerfeier nehmen wir Abschied von einem Menschen, der dann nicht mehr die Gesellschaft mit gestaltet. Im traditionellen Kontext wird schnell deutlich, dass mit jeder dieser Feiern der Platz einer Person einer Gesellschaft zugewiesen wird. Für Menschen in Umbruchsituationen bieten Riten eine Form sich in den Situationen zurecht zu finden.

Auch Feiern im Jahresrhythmus geben Orientierung, Sinn und Halt im menschlichen Leben. Deutlich wird das beispielhaft, wenn im Winter Kerzen angezündet werden und mit diesen die Dunkelheit erhellt wird und Hoffnung auf eine Wiederkehr von Frühjahr und Sommer und damit auf ein besseres Leben gegeben wird. Die Wintersonnenwende stellt ein Fest im Jahreszyklus dar, welches durch wiederkehrende Veränderungen in der Natur bedingt ist. Deshalb findet sich ein Fest zur Wintersonnenwende in verschiedenen Kulturen und es finden sich Elemente, die mit dem Umschwung von kürzer zu länger werdenden Tagen zusammen hängen. Die heidnischen Feste zur Sonnenwende im Winter, die in das Weihnachtsfest eingegangen sind, bieten mit Kerzen und Symboliken des Lichts einen Ausgleich zur dunkleren und kürzen Tagen und machen es leicht diese mit der Hoffnung auf ein besseres Leben zu verbinden. Sie bedienen mit festlichem Schmücken, grünen Zweigen und Kerzen ein psychologisches Verlangen.

Die Ähnlichkeit der Riten und ihre Bedeutungen hängen weniger mit den konkreten inhaltlichen Bestimmungen oder angebeteten Göttern zusammen, sondern verweisen letztlich auf allgemeine menschliche Bedürfnisse. Gleichzeitig zeigt die konkrete Ausgestaltung der jeweiligen Riten immer auch etwas über die jeweilige Kultur, in der sie praktiziert werden. An ihnen lassen sich soziale Ordnungen, Werte und die sinnstiftende Bedeutung aufzeigen, weil diese darin Ausdruck finden.

Eine humanistischen Feierkultur muss einerseits bestimmten menschlichen Bedürfnissen gerecht werden, andererseits kommen so auch humanistische Werte zum tragen. So spiegelt die Selbstgestaltung einer Feier statt dem blinden Folgen eines Ritus die Betonung eines selbst bestimmten Lebens. Die Ausgestaltung muss dabei grundsätzlich offen gehalten werden. Sie sollte sich aber durch gemeinsames Feiern der Gefahr einer Individualisierung entgehen und vielmehr den Raum schaffen, in dem gemeinsam ein Sinn gestiftet werden kann. Dazu gehört auch notwendig ein Diskurs über die Frage, was wir überhaupt feiern.

Eine Feier zum Tag der Menschenrechte – die ja auch mit zwei Wochen Verspätung begangen werden kann – würde beispielsweise nicht nur zeigen, dass der Mensch sich selbst Gesetze auferlegen kann, sondern auch dauerhaft an die Aufgabe der Achtung der Menschenrechte erinnern. Das Anzünden von Kerzen an dunklen Tagen kann mit der Lichtmetaphorik der Aufklärung verbunden werden und so einen Raum schaffen, in dem diese angemessen hoch gehalten werden. Mit diesen und vielen weiteren Formen können auch die Grundlagen eines weltlichen Humanismus im menschlichen Leben Ausdruck finden und eine humanistische Gesellschaft formen.

Dieser Beitrag von Henrike Lerch erschien Feb. 2018 im „Freien Denken“, Mitgliederinfo des Humanistischen Verbandes NRW K.d.ö.R.